Die relativen Wirklichkeiten, eben die subjektiven Wahrnehmungen. Die Spannung zwischen Verstand und Intuition sowie zwischen sozialem Gewissen und
Wirtschaftlichem Handeln. Zwischenmenschliche Konflikte. Die Vermengung selbst Erlebtem und der Literatur Entliehenem.
Ein schier endloser Wahrnehmungs- und Erfahrungsschatz, aus dem meine Quelle entspringt. Meine Quelle unzähliger innerer Bilder, die ich im Malprozess entdecke, wieder belebe, umkehre, in Frage stelle oder interpretiere. Und je mehr ich in diesem Fundus rühre, desto exponentieller entfalten sich meine oft unbewusst gespeicherten Wahrnehmungen aus Vergangenheit und Gegenwart. Die anfängliche symbolische Quelle speist heute einen kleinen Wildbach. Für ihn wie auch für mich ist eigen die Freude an Bewegung, Veränderung, Spontanität. Widerstände als Herausforderung, neue Wege zu finden. Kaum gebändigt, an Kraft gewinnend, die schon als kleiner Quell gegeben. Fordernder, lebhafter, immer mehr Energie entfaltend. Spuren hinterlassend. Kleine Irrwege, vielleicht Ausläufer, aber unbeirrt den Weg suchend. Immer fließend. Kaum innehaltend. Der Wildbach und ich. Gefühle sprudeln scheinbar haltlos, als wäre der Verstand verbannt. Ich denke nicht immer darüber nach, was ich male. Oft passiert es intuitiv schöpferisch. Lasse Gefühlen und Intuition freien Lauf. Hände und Herz wissen, was zu tun ist. Anders ausgedrückt ist jedes Werk ein unbewusst sich anbahnende und impulsiv vollziehende künstlerische Inspiration. Innehalten bedeutet für mich, Geschaffenes zu genießen, zu betrachten, aufzunehmen und vielleicht zu verstehen. Einen Namen zu finden, Worte, die dies ausdrücken aber nicht erdrücken. In einer sehr schnelllebigen Zeit Bleibendes zu schaffen, nichts Anonymes, Digitales, mit Zahlen bestückt. Beliebig austauschbar und ersetzbar, wiederholbar oder reproduzierbar. Nichts dergleichen. Die Malerei verstehe ich als ein Handwerk, das den Zeitgeist und die Menschen unserer Zeit berührt, spiegelt, zügelt, anspornt. Den Dialog fördert und mit der Welt des Betrachters kommuniziert. Je nach Stimmung. Die Natur habe ihre Launen, sagt man. So auch wir, so auch ich. Mal optimistisch, mal zynisch oder pessimistisch, mal über die Ufer tretend, mal schüchtern untertauchend. So bleibt der Dialog spannend, den Faktoren des Menschseins und der Umgebung ausgesetzt. Mit der Malerei habe ich ein schier unerschöpfliche Welt empfangen, sie macht mich zu einer Besessenen dieses Handwerks. Eine Welt, in der ich mich als Wildbach, genährt von einer inneren Quelle wiederfinde. Ein Wildbach, der nur an von der Natur bestimmten Stellen zu Ruhe kommt? Ja, möglich. Aber irgendwann wird vielleicht auch der Wildbach zum Fluss, zum Strom, zum See, zur See? Schön, dass ich dies noch nicht weiß! |
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