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Mladen Lucic, Kunstkritiker und Advisor des Museums Moderner Kunst, Pula: Die Malerei von Tamara O’Byrne gründet sich auf die Erfahrungen des abstrakten Denkens, oder genauer gesagt geht sie vom abstrakten Expressionismus aus, der für die Künstlerin ein unendliches Experimentierfeld darstellt, welches in ein suggestives Raumerleben voll mit metaphorischen und symbolischen Elementen resultiert. Ausgeflipptheit und malerischer Hedonismus sind grundlegende Kennzeichen des künstlerischen Ausdrucks von Tamara O’Bryne, welcher seinen Grundausgangspunkt in einem abstrakten Expressionismus von abgehobener Provenienz hat, und sich auf die Erfahrungen der Pioniere des expressionistischen Denkens Franz Marc, die Gruppe Blaue Reiter, Willi Baumeisters und letztendlich auf den amerikanischen Abstrakt-Expressionismus beruft. Dies sagt deutlich etwas aus über das Bekenntnis der Autorin zum einem zwanglosen und unbelasteten künstlerischen Ausdruck geprägt vom starken Kolorit und betonter Gestikulation. Wenn die Komposition von einer solchen Struktur ausgeht, dann beruhen die Elemente des Systems auf einer pikturalen Charakteristik, einem grundlegenden malerischen Ausgangspunkt, welcher deutlich die Farbe bzw. Helligkeit prägt. Da sie mit einem geschickt ausbalancierten aber doch kontrastierend aufgetragenen Kolorit arbeitet, verwendet Tamara O’Byrne als charakteristische pikturale Hervorhebung blaue, gelbe und rote Farben, mit welchen sie ihren Leinwänden eine ungeahnte Dynamik verleiht, sowie die Helligkeit betont, die die ununterbrochene Bewegung der ganzen Komposition momentan anhaltet und das Beruhigende eines optimistischen Omens verleiht. Merkmale von einzelnen Bildern verflechten sich miteinander oder sie setzten sich logisch fort, indem sie gemeinsam mit Tonharmonie und Farbbetonung die einmalige und eindrucksvolle Komposition einer ausgeflippten Stimmung bilden. Es handelt sich, bedingt gesagt, um work in progress d.h, ausschließlich um eine Malkunst, die auf dem Prinzip des Hinzufügens oder Entfernens basiert, womit die Künstlerin ihre Malkunst erfolgreich in den medialen Zwischenraum transponiert. Tamara O‘Byrne ist es gelungen, die Technik und danach auch das historische Erbe und die Geheimnisse des abstrakten Expressionismus zu beherrschen, um dazu geschickt ihr angeborenes und verfeinertes Gefühl für Farbe und Licht hinzuzufügen, um sich letztendlich auch auf das Abenteuer der Eroberung des Raumes einzulassen. Das Wesentliche ist das Bewahren der Einzigartigkeit einer Kompositionsphantasie, die umwoben ist mit einer Reihe autochthoner Elemente, die Tamara O’Byrne außerordentlich geistreich zu einer harmonischen Einheit erfolgreich verbunden hat, welche eine Ode an die Freude des Malens und des künstlerischen Schaffens darstellt. Relative Wirklichkeiten Tamara O’Byrne’s abstrakte expressionistische Malerei vermischt sich mit realen Teilen und vermittelt ein wahres Orchester von Emotionen. Durch das Festhalten von Bewegungen, ohne sie zu fixieren, durch das gekonnte Spiel mit Farben, den vielen Nuancen, Übermalungen, Farbfolgen, Zurücksetzen und Hervorhebungen kommt es zu keiner Erstarrung, sondern die Bewegung und die Emotionen setzen sich fort mit der Beteiligung des Betrachters durch das Eintauchen in eine zuversichtliche, optimistische Welt. Die Begegnung mit der Person O’Byrne bestätigt ihr Werk. Die Stimmigkeit von Werk mit einer nahezu poetischen Unruhe und der Schöpferin ebendieser, ein Energiebündel mit einem festen Blick, der einem tief in die Seele zu dringen scheint. Eine scheinbar selbstbewusste, mutige, aber letztlich äußerst sensible Zeitgenossin, die sich inmitten ihrer Arbeit am sichersten fühlt. Mit der Ausstellung „Relative Wirklichkeiten“ sucht sie die Auseinandersetzung mit Erfahrungen und Erkenntnissen, die in ihr als sehr wahrheitsliebender, direkter und in seiner Ausdrucksweise unverblümter Mensch oft nur Staunen hervorrief. Eine Lüge ist nicht immer eine Lüge, sie ist oft letztlich die eigene, persönliche, eben relative Wirklichkeit. So auch jede Emotion, jede Überzeugung, jedes Empfinden. Und treffen solche Wirklichkeiten nun in Verkörperung von Kunst und Menschen zusammen, ist dies eine wundervolle Gelegenheit, die vielen Facetten von Realität wahrzunehmen. Den 3-dimensionalen Aspekt zu den relativen Wirklichkeiten liefert der renommierte Kärntner Bildhauer Herbert Unterberger, aus dessen kreativer Kraft das vereinigende Genie der Liebkosung und des Brechens hervorquillt. „Monstre sacré“ der Beherrschung der extremen Kräfte schleudert uns der Künstler in die tiefste Konfrontation zwischen Sanftheit und Gewalt, graziler Leichtigkeit und sichtbarer Schamlosigkeit, eine Verbindung von Geist und Händen. Seine Werke rufen die Kraft des Genusses hervor, wie ein Aufstieg, ein Zornesausbruch des Lebens, ein Wegreißen vom Alltag … eine ewige Sekunde, von den Göttern der Inspiration geliehen. Original Text, Französisch von Mag. DI. Aude Wassertheurer Auszug aus der Rede von Prof. Rolf Aschenbrenner anlässlich der Ausstellung in Imst: "... vor einigen Jahren hatten Tamara und ich unsere erste Begegnung. Als ich ihre letzten bilder gesehen habe, war ich angenehm berührt von der experimentellen Lust an Farbe und Form. Dieser neue Aufbruch zeigt für mich den Sieg des Geistigen in ihrer Arbeit auf gegen die Gewalt, die rund um uns täglich geschieht. also ein Sieg des Geistigen gegenüber täglicher Gewalt und sonstiger negativer Dinge. Wichtig ist, daß Tamara bis jetzt und immer auf der Suche nach ihren inneren Bildern ist, und das ist etwas ganz Wichtiges. Wie könnte so ein Bild entstehen? Beim Malakt, sehr spontan, wo in einem kurzen, entscheidenden Moment Farbe und Form ein Bündnis eingehen, sich gegenseitig zu ihrem gemäßen Grundcharakter im Bildgefüge verhelfen und so den Weg für weitere Form- und Farbelemente frei machen und im Bildkonstrukt die gewachsenen und richtigen Lagen oder Orte im Bild zuordnen. So versucht Tamara bewußt nicht irgend etwas auszuschließen, sondern für sie anerkannte Gültigkeit mit allen Unsicherheiten in ihren bildern zu finden. Die Bilder haben für mich eine frische Leichtigkeit, die auf den Betrachter unkompliziert zugehen. Die Arbeiten entbehren aber in keiner Weise hoher Energie und Dynamik. Ein gelungener Aufbruch in eine neue Ebene." Auszug aus dem Buch "Angst vor dem Fliegen" von Erica Jong: Diese Zeilen möchte ich hier zitieren, weil sie mir aus der Seele spricht. Eigene Ergänzungen bzw. Synonyme finden sich in (Klammern): "...Geruch einer bestimmten Seife kurbelt bestimmte Erinnerungen oder Assoziationen an...Dann frage ich mich verwundert, wie viele weitere Erinnerungen wohl in den Schlupfwinkeln meines Gehirns vor mir verborgen sind. Ja, mein Gehirn erscheint mir dann als die letzte große terra incognita, und die Aussicht, dort unter Umständen eines Tages Welten zu entdecken, erfüllt mich mit freudigem Staunen. Man stelle sich das versunkene Atlantis und all die anderen versunkenen Eilande der Kindheit (Vergangenheit) vor, die nur darauf warten, wieder ins Bewußtsein gehoben zu werden. Der innere Raum, den wir nie genug erforscht haben. Die Welten innerhalb der Welten der Welten. Und das Wunderbare ist, daß sie auf uns warten. Wenn es uns nicht gelingt, sie zu entdecken, so liegt es daran, daß wir noch nicht die entsprechende Transportmöglichkeiten haben - Raumschiff oder Unterseeboot oder (Bild) - die uns dorthin bringen. Das ist (zum Teil), warum ich (male). Wie kann ich wissen, was ich denke, wenn ich nicht sehe, was ich (male)? Meine Arbeit ist das Unterseeboot oder das Raumschiff, das mich zu unbekannten Welten in meinem Kopf befördert. Und das ist ein endloses, nicht auszuschöpfendes Abenteuer. Wenn ich lerne, mir das richtige Vehikel zu konstruieren, kann ich sogar noch weitere unerschlossene Gebiete entdecken. Und jedes neue (Bild) ist ein neues Vehikel, das mir erlaubt, noch ein wenig tiefer zu tauchen oder höher zu fliegen als das vorige." |